Vorwort

 

DUAus dem Vorwort:

Bei IT-Systemen hatte es angefangen, aber nun bekommen wir nichts mehr in den Griff.

In der Automatisierung geht es traditionell immer wieder schief: millionenschwere Projekte der öffentlichen Hand verzögern sich um Jahre und werden ohne Resultat abgeschrieben. Wenn aber etwas dabei herauskommt, funktioniert es oft nicht oder nur bedingt. Und wenn es funktioniert, dann so umständlich, dass die Benutzer es nicht annehmen, es manchmal gar sabotieren. Man nimmt das hin wie Unwetter: als wäre es unvermeidlich.

Wir haben uns an diese scheinbar unvermeidlichen Unwetter inzwischen so gewöhnt, dass es auch schief geht bei Bauprojekten, die noch vor zwanzig Jahren gut gelangen. […]

Aber es ist nicht unvermeidlich. Technik und Organisation sind keine Naturgewalten, sie sind Menschenwerk. Menschen erteilen den Auftrag, etwas zu entwickeln, Menschen führen ihn aus, Menschen benutzen die so zustande gekommenen Systeme, Menschen bilden all diese Menschen aus.

Das bedeutet, dass Sie, lieber Leser, mitverantwortlich sind: 

Sie als Entscheidungsträger, der mit gesundem Menschenverstand einfache Fragen stellen könnte, statt sich durch undurchschaubare Studien von Experten einschüchtern zu lassen; Sie als Elternteil oder Lehrer, der Jugendlichen die Herausforderungen der Gesellschaft bewusst machen will; Sie als Student, der durch die Wahl eines Nebenfaches oder eines Diplomthemas mehr Einsicht in diese Probleme erhalten könnte; Sie als Schüler, der ein interessantes und nützliches Studium wählen will, aber vielleicht noch nicht weiß, was interessant und nützlich ist; und auch Sie als IT-Spezialist oder Organisationsberater, der die eigenen Möglichkeiten und Beschränkungen besser verstehen will und lernen, dass manche Probleme anders angegangen werden können als üblich. Und nicht zu vergessen: Sie als Steuerzahler und Wähler, der Sie das Elend sogar dann mit instandhalten, wenn Sie auf einem alternativen Bauernhof ein Leben ohne moderne Technik führen.

Dieses Buch richtet sich darum an Sie, ganz gleich, ob Sie glauben, von IT, Bahnhöfen, Flughäfen, Elbphilharmonien oder Schulreformen etwas zu verstehen oder nicht. Guten Mut! […]

Über Qualität muss man miteinander reden, zusammen hineinschauen und seinem eigenen gesunden Verstand mindestens genauso stark vertrauen wie den Ratschlägen von Fachleuten. Es geht darum, die richtigen Fragen zu stellen und nicht zu früh ins Denken an technische Lösungen zu verfallen. Mit der richtigen Frage kommt man vielleicht zu einer einfacheren, eleganteren Lösung als der, die Ihnen Spezialisten aufdrängen wollen. Kenntnis der zugrundeliegenden Technik kann bei Beurteilung von Qualität und Gespür für die richtige Fragestellung helfen, aber auch ablenken. Viel wichtiger ist die Erfahrung, die die Menschheit Jahrtausende lang beim Schaffen von komplexen Artefakten erworben hat.

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