Hans und Kathrin entdecken Berlin

 

Nohara+Hans-und-Kathrin-entdecken-BerlinVorn in Suche nach der Mitte von Berlin ist der Umschlag eines der ersten Bücher abgebildet, die ich gelesen hatte, als ich gerade lesen konnte: Hans und Kathrin entdecken Berlin von W. K. von Nohara, 1931.

Es war ein Kinderbuch meiner Mutter, die es gelesen hatte, als sie neun Jahre alt war. Ich musste mir zum Lesen die Frakturschrift beibringen. Kein Problem: Man muss sich nur an einige seltsame Großbuchstaben und an das lange S gewöhnen.Da ich als Kind viele, viele andere Bücher gelesen hatte, hatte ich dieses Buch völlig vergessen.

Jetzt, nachdem ich es wiedergefunden hatte, habe ich es neu gelesen und denke, dass es unterbewusst meine Faszination für Berlin ausgelöst haben könnte.

Es ist eine Detektivgeschichte, in der ein Junge, der erst vierzehn Tage in Berlin wohnt, und eine Wiener Austauschschülerin wegen der sich überschlagenden Ereignisse in der Großstadt hin und her rennen und fahren. Sie kommen mit dem Paddelboot über den Wannsee an und bleiben dann trotz aller Umtriebe in der Nähe der S-Bahn zwischen Pichelsberg und dem Alexanderplatz. Sie sehen alle dortigen Sehenswürdigkeiten, aber ansonsten nur noch den Flughafen Tempelhof. Der Kreuzberg oder gar Köpenick kommen nicht vor.

1931 ist die Welt noch in Ordnung. Oder?

1931 ist die Welt noch in Ordnung. Oder?

In welcher Zeit das spielt, merkt der aufmerksame Leser nur an einer einzigen Stelle. Ansonsten ist das Buch so zeitlos wie seit den Anfängen der Stummfilmzeit so viele Filme und Bücher über Berlin: In einer brausenden, hochmodernen Metropole wird in Wahnsinnstempo gearbeitet und gelebt, und man kann alles sehen, was es gibt. Höchstens die Automarken und Kleider unterscheiden sich ein wenig von Jahr zu Jahr.

Man bekommt beim Lesen dieses Kinderbuches auch heute noch das richtige, offenbar zeitlose Berlin-Gefühl, und man könnte das Buch auch heute noch als Reiseführer für die bekanntesten Sehenswürdigkeiten benutzen.

Auch die Berliner und Neu-Berliner waren damals schon so, wie sie eben sind. Zu Anfang lesen wir diesen Dialog:

„Und du bist aus Berlin?“ fragte ihn Kathrin.

„Na klar“, sagte er, „wo soll denn ein Mensch sonst her sein?“

Und gegen Ende, nachdem ein unbewachtes Boot wider Erwarten nicht gestohlen war:

„Berliner Ehrlichkeit“, sagte ein Herr vom Polizeipräsidium, der es hauptsächlich mit Schwerverbrechern zu tun hatte, „ich hab’s ja immer gesagt! – Das muss in die Zeitung.“

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