Rationalität

 

shapeimage_2Scheiden

  • Zwei einfache Aussagen:
    • Pinguine sind schwarz-weiß.
    • Manche alten Fernsehfilme sind schwarz-weiß.
  • Die erste ist schon falsch, denn viele Pinguine sind teilweise gelb.

Passen

In den beiden Aussagen bedeutet schwarz-weiß nicht genau das selbe. Fernsehfilme haben Grautöne. Die Aussagen passen so nicht zusammen, ob sie nun wahr sind oder nicht.

Fügen

Selbst wenn beide Aussagen wahr wären und in beiden schwarz-weiß genau die gleiche Bedeutung hätte, stimmt die Schlussfolgerung logisch nicht.

 

Alle Handwerker und Ingenieure, ob sie nun Buttercremetorten, Brücken oder Weltraumraketen herstellen, tun im Grunde das Gleiche:

  • Scheiden:  Sie scheiden Materie, um zum Beispiel aus einem Baum Bretter, aus Erz Metall oder aus Körnern Mehl zu erhalten.
  • Passen:  Sie machen die so erhaltenen Halbfertigprodukte nach einem Plan genau passend.
  • Fügen:  Sie fügen die passenden Unterteile nach diesem Plan zu einem Produkt zusammen. Ein altes Wort für Zusammenfügen ist zusammenschließen. Alles muss gut aufeinander anschließen.

Die Qualität des Produktes ist Resultat der Sorgfalt, mit der diese drei Schritte ausgeführt wurden.

Rationalität mit ihrem kräftigsten Werkzeug, der Logik, macht das Gleiche, aber nicht mit Materie, sondern mit Gedanken:

  • Scheiden:  Aus einem verwirrenden Problem, einer unklaren Fragestellung und einem Brei von Informationen und dumpfen Gefühlen arbeitet man Gedankenfragmente heraus, die so klein und so klar sind, dass man sich bei jedem einzelnen davon überzeugen kann, ob es wahr ist.
  • Passen: Die so erhaltenen und verifizierten Gedankenfragmente müssen nun so bearbeitet werden, dass sie zusammenpassen. Zum Beispiel müssen dieselben Worte überall genau dieselbe Bedeutung haben.
  • Fügen: Danach können sie zusammengefügt werden zu einem Beweis oder einer Argumenation. Wenn man dabei keinen Fehler macht, ist das Resultat wahr, wenn die einzelnen Bausteine wahr waren. Man nennt das heute noch Schließen, Schluss, Schlussfolgerung.

Die Sicherheit, die Rationalität bietet, ist Resultat der Sorgfalt beim Scheiden, Passen und Fügen der Gedanken. Logik lehrt, wie man das macht.

Man kann es lernen, aber das Lesen eines Buches über Logik reicht dazu nicht aus. Klavierspielen lernt man auch nicht durchs Lesen eines Buches über Musik. Man braucht einen guten Lehrer, und man muss üben.

 

Und wenn einem die Schlussfolgerung nicht passt?

Dann kann man nach demselben Schema den Fehler suchen. Vielleicht stimmt ja eine Annahme nicht. Oder jemand hat einen logischen Fehler beim Zusammengesetzen der Gedankenkette gemacht. Vielleicht hat man auch nur die Schlussfolgerung falsch verstanden.

Man kann natürlich auch denjenigen, der den Schluss gezogen hat oder versucht zu reproduzieren, beschimpfen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Das hat dann aber mehr mit Gewalt und weniger mit Rationalität zu tun.

Literaturempfehlung:

Harry G. Frankfurt

On Bullshit

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